Chicago 1




Dies ist Chicago. Das letzte Mal war ich gegen 1998 dort. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass wir damals den Sears-Tower bestiegen haben, und sehr beeindruckt von dem Hotel waren, in dem wir untergebracht waren und uns jeweils zu viert Doppelzimmer geteilt hatten.

Als wir am Mittwochnachmittag angekommen sind, war es allerdings schön sonnig. Ich bin mit Roxanne zur SWE (Society of Woman Engineers) Conference gefahren, um dort bei der Career fair unser Research Center vorzustellen, und Studenten für unser Sommerprogramm zu rekrutieren. Wir bauten also unsern Stand auf, Roxanne zog sich ins Hotelzimmer zurück, ich hübschte mich auf und ging aus. Ich war null vorbereitet, und lief einfach los. In einer willkürlich ausgesuchten Bar gab es dann Dinner für mich, ein knackig frisches Fisch-Sandwich zum Schnäppchenpreis und ein Bierchen. Ich erkundigte mich dann beim Barpersonal, wo man denn hingehen müsste, um guten Live Jazz zu hören, und glücklicherweise gab es gleich um die Ecke Andy’s Jazz Bar. Dazu muss man wissen, dass es in Chicago einfach dazugehört, Live Jazz zu erleben. Dort gab es dann ein weiteres Bierchen, ziemlich abgefahrenen Jazz und die Gesellschaft von Duffy und Steven, zwei Brüdern in den Fünfzigern, die wegen einer Deck-builder-Konferenz nach Chicago gekommen waren. Das bedeutet, ihr Geschäft war, Dachterrassen zu bauen, und für ihresgleichen gab es tatsächlich eine Konferenz. Die beiden waren sehr unterhaltsam auf ihre etwas hinterwäldlerische Art. Trotzdem machte ich mich dann bald auf zurück zum Hotel, wo ich in der Hotelbar noch einen Margarita ausprobieren wollte, bevor es ins Bett ging. Aber auch hier blieb ich nicht lange allein, denn ein 40-jähriger Banker aus Miami (Teilnehmer einer Banker-Konferenz) langweilte sich, und unterhielt sich dann nett mit mir.

Und jetzt frage ich mich, wie cool es wirklich ist, beruflich viel reisen zu müssen. Bedeutet das, dass man abends entweder im Hotelzimmer fernsieht, oder sich mit Smalltalk in der Hotelbar mit ständig wechselnden Gästen begnügen muss? Für mich war es ja mal sehr nett, aber es kostet schon Energie, alleine an der Bar zu sitzen und so tun, als würde man sich großartig amüsieren.


Comments

Ich denke mit den Geschäftsreisen ist es wie mit vielem anderen: Am Anfang ist es cool und aufregend, am Ende ist es nur noch anstrengend und man hockt im Hotelzimmer und guckt Glotze. Aber nach Chicago möchte ich auch noch mal gerne! - der Erich