Fünfzig Schnuller von Drogen-Erwin
Als ich mir heute morgen zur Feier des Tages besondere Mühe mit meinem Oatmeal (Rezept s. u.) gab, musste ich daran denken, dass wir als Kinder auch ab und zu mal Haferbrei zum Frühstück bekamen. Aber wir wussten es vermutlich nie so richtig zu schätzen, dass die Erzeuger (Mutti!) extra früh aufgestanden waren, um rechtzeitig vor der Schule ein warmes Frühstück zu servieren.
Wie bringt man Kindern bei, Essen zu schätzen zu wissen? Sie bekommen es ja mehrmals täglich automatisch vorgesetzt und mögen manches mehr, manches weniger, sehen Essen aber im Allgemeinen eher als spielunterbrechendes notwendiges Übel an. Dies interessiert mich übrigens wirklich. Falls irgendwer eine Idee hat, bitte ich um Kommentare!
Ich weiß jedenfalls, welche Art Essen ich als Kind zu würdigen wusste. Ich habe mir mal für fünf Mark fünfzig Schnuller bei Drogen-Erwin gekauft. Ich erinnere mich nicht mehr, woher die fünf Mark kamen, vermutlich ein Geschenk von meinem Opa, der uns gerne mal einen “Heiermann” zusteckte. Ich war wohl elf oder zwölf Jahre alt, ging in Suderburg zur Schule. In der Nähe der Schule war die Drogerie Hoffmann, ein Laden, der schon lange nicht mehr existiert, und damals Zigaretten, Rattengift, Silvesterkracher und Haribo verkaufte. Drogen-Erwin war der Besitzer. Der hieß halt schon immer so, schon bevor ich wusste, was Drogen sind. Ein kleiner, hagerer, kettenrauchender, älterer Mann, zu dem die Kinder nach der Schule gingen, um eine “bunte Tüte” zu kaufen. Drogen-Erwin hatte eine ordentliche Auswahl der großen Haribo-Plastikdosen und zählte die einzelnen Haribo-Teile geduldig (“von jedem einen bitte”) mit der Hand ab. Die Haribos schmeckten immer leicht nach Aschenbecher. Mit meinem Schatz von fünf Mark fuhr ich also nachmittags mit dem Fahrrad von Hamerstorf die zwei Kilometer nach Suderburg zur Drogerie Hoffmann, ließ mir von Drogen-Erwin fünfzig Haribo-Schnuller in zwei große Papiertüten abzählen und war hocherfreut, was für eine Menge Schnuller ich nun besaß. Ich weiß nicht mehr, wieso ich dachte, es sei eine gute Idee, fünfzig Schnuller zu kaufen. Ich brachte sie am nächsten Tag mit in die Schule, verwahrte sie unter meinem Tisch und verteilte ab und zu welche an meine Mitschüler. Ich glaube, ich war damals schon lustig, und erzählte allen augenzwinkenderweise, dass ich Freunde kaufen wollte. Ich weiß auch nicht mehr, wie lange es dauerte, alle Schnuller loszuwerden, oder ob ich tatsächlich neue Freunde gewann.Und zu guter Letzt weiß ich auch nicht, warum ich heute an diese Geschichte denken musste, aber hier ist das Rezept für ein leckeres, gesundes Frühstück:
Special Occasion Oatmeal für eine (hungrige) Person
1/2 Tasse Haferflocken
2 Esslöffel Rosinen
Prise Salz
1 1/2 Tassen Wasser
2 Esslöffel Walnüsse
1 Esslöffel Honig
Zimt
Haferflocken, Rosinen, Salz und Wasser zum Kochen bringen und auf kleinster Flamme köcheln lassen, dabei ab und zu rühren. Wenn die Haferflocken beginnen am Topf anzusetzen und die Konsistenz noch ein wenig zu flüssig für Brei erscheint (nach max. 10 min), das Oatmeal auf einen flachen Teller gießen. Beim Abkühlen verdickt sich der Brei noch. Mit zerdrückten Walnüssen bestreuen, den Honig großflächig drübergießen und mit Zimt bestäuben. Etwas abkühlen lassen. Guten Appetit!