No 'Poo
Bei der Suche nach leichtgewichtigen, multifunktionalen Körperpflegeprodukten bin ich auf eine neue Welt gestoßen. Frugal Living heißt sie, eine Lebensweise, bei der man mit weniger auszukommen versucht. Die Motivation für eine frugale Lebensweise ist unterschiedlich. Ich bin hauptsächlich auf ökonomische und ökologische, aber auch soziologische oder sogar philosophische Gründe gestoßen.
Die No ’Poo Bewegung ist ein Beispiel, wobei ’Poo für Shampoo steht. Das ist ein bissschen lustig, weil Poo auch Kacke heißt. Die Anhänger der No ’Poo Bewegung verwenden kein Shampoo zum Haarewaschen, sondern nur warmes Wasser. Der Hintergrund dazu ist die Tatsache, dass gewöhnliches Shampoo die Haare vollständig von Fett befreit - mehr als notwendig, so dass bei langen Haaren auch noch Spülung notwendig wird, da die fettfreien Haare zum Verkletten tendieren. Zudem führt vollständiges Entfetten dazu, dass die Kopfhaut schnell viel neues Fett bildet, um sich zu schützen. Tägliches Haarewaschen wird damit notwendig.
Hat sich die Kopfhaut aber erstmal daran gewöhnt, nicht mehr soviel Fett nachzubilden, wenn kein Shampoo verwendet wird, ist auch kein Shampoo mehr notwendig. Man spart Geld, muss auf Reisen weniger Haarpflegeprodukte transportieren, und setzt seine Kopfhaut weniger Chemikalien aus. Das Haar soll tatsächlich gepflegter und gesünder aussehen. Und es riecht nach Haar und lässt die Pheromone durch. Klingt super, oder?
Allerdings muss sich die Kopfhaut erstmal umstellen. Sobald man auf Shampoo verzichtet und stattdessen nur Wasser zum Waschen verwendet, werden die Haare fettig aussehen. Die Übergangsphase kann also unangenehm werden. Ich stelle im Folgenden drei Wege zur Shampoolosigkeit vor:
1. Der kalte Entzug, bei dem kein Shampoo mehr verwendet wird. Wenn die Haare zu schlimm aussehen, muss man sie halt hochstecken oder eine Mütze tragen. Viel Bürsten hilft dabei, das Fett in den Haarlängen zu verteilen.Trotzdem beim Duschen die Haare mit Wasser waschen!
2. Die langsame Umstellung, bei der man seine Shampooflasche nach jedem Gebrauch mit Wasser auffüllt und so das Shampoo nach und nach immer mehr verdünnt. Verwendet man weiterhin dasselbe Volumen an Shampoo bei nun geringerer Konzentration, wird dem Haar beim Waschen nach und nach weniger Fett entzogen, und die Kopfhaut kann sich langsam umstellen.
3. Kein Shampoo mehr verwenden, aber wenn die Haare dolle fettig sind, mit Natron (Natriumbikarbonat, Natriumhydrogenkarbonat) waschen: Einfach Natron mit Wasser zu einer schleimigen Konsistenz mischen, in die Kopfhaut einmassieren, ausspülen. Danach mit einer Mischung aus Essig und Wasser spülen. Meiner Meinung nach klingt das recht aggressiv für die Kopfhaut, und ich erkenne den Vorteil zum Shampoo nicht, aber vielleicht entfernt das Natron den Schmutz, alte Hautschuppen, und lässt ein wenig Fett zurück?
Mehr Informationen und Erfahrungsberichte (auf Englisch): Link1, Link2, Link3, Link4
Eine sehr detaillierte Anleitung zum Haarewaschen mit Natron und Essig (auf Englisch): Link
Ich habe es übrigens nicht ausprobiert, aber das ist vielleicht mal ein nettes Projekt für irgendwann in der Zukunft.
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